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PROJEKTBERICHT

Komplizierte Restrukturierung bei einem deutsch-chinesischen Merger

Neuausrichtung | Microsoft Navision | Post-Merger-Integration

Das Projekt in Stichworten:

  • Komplizierte Restrukturierung bei einem deutsch-chinesischen Merger
  • Strategie der neuen Eigentümer wird schnell von der Realität eingeholt
  • Konzept für Finanzierung und umfangreichen Business-Plan erstellt
  • Restrukturierungsplan mit Werksschließungen und Verkauf entwickelt
  • Erworbenes Unternehmen wird in wesentlichen Teilen veräußert

Kinen ist ein chinesischer, mittelständischer Anbieter von Armaturen für Bäder, der sich im Heimatmarkt als hochwertig positioniert und unter anderem größere Hotels ausstattet. Im Ausland ist Kinen beispielsweise in Australien vertreten. Im Herbst 2016 kaufte Kinen die deutsche SAM Gruppe aus der Insolvenz.

SAM war eine deutsche Firmengruppe mit Sitz in Menden und Leipzig mit 40-jähriger Geschichte (respektive 100 Jahren in Leipzig unter dem Namen SAF) und 220 Mitarbeitern. SAM produzierte Armaturen (in Leipzig) und Accessoires (in Menden) für Bäder und importierte zudem umfangreiche Positionen aus China. Heute besteht nur noch eine rudimentäre Vertriebseinheit.

Kurz vor Weihnachten 2016 wurde der Interim Manager angesprochen und begann Anfang Januar 2017 in Festanstellung als CFO der SAM Gruppe zu arbeiten. Neben den Finanzen war er verantwortlich für Personal und IT. Sein Auftrag: ein Controlling aufbauen und die Produktion tief greifend automatisieren.

Strategie der neuen Eigentümer wird schnell von der Realität eingeholt

Die initiale Strategie der neuen Eigentümer wurde schnell von der Realität eingeholt. Das Lager der am meisten nachgefragten Artikel war leer. Um Großkunden nicht zu verlieren, wollte man dieses so schnell wie möglich füllen. Dazu waren umfangreiche Importe, Einkäufe von Rohmaterial und Leiharbeiter erforderlich.

Zugleich nahm der Interim Manager in seinem Zuständigkeitsbereich eine Bestandsaufnahme vor, die zu folgenden Tätigkeiten führte:

  • Buchhalterische Abbildung des Kaufs mit aufschiebender Wirkung zum ersten März
  • Aufspaltung der erwerbenden Gesellschaft mit insgesamt 3 Personalübergängen
  • Betreuung und Abschluss von in Summe 20 Verfahren vor den Arbeitsgerichten aufgrund der wahllosen Kündigungen im Kaufprozess
  • Gestaltung neuer Personalverträge
  • Aufbau des Controllings mit verbundenem Verkaufs- und Produktionsstopp für die Hälfte der Artikel
  • Einführung eines neuen Verfahrens zu Ermittlung der Herstellungskosten und Neubewertung des Bestands
  • Grundlegende Sicherung der IT

Konzept für Finanzierung und umfangreichen Businessplan erstellt

Durch eine Reihe von Personalmaßnahmen und erste Prozessänderungen sollte der Betrieb stabilisiert werden. Dazu gehörte es insbesondere, das ERP-System Microsoft Navision auf die neueste Version umzustellen und in Teilen Datev zu aktualisieren. Aufgrund des hohen Alters der Systeme bedeutete dies, über die Laufzeit von einem Jahr alle Abläufe massiv umzustellen.

Zu dieser Zeit wurde deutlich, dass die chinesischen Eigentümer kein Kapital mehr einbringen konnten oder wollten. In der Folge wurde dem Interim Manager aufgetragen, eine Strategie für die Finanzierung zu erstellen und in einem umfangreichen Businessplan abzubilden. Zudem entstand mit externer Unterstützung eine Vision für die Zukunft des Unternehmens, die auf Wachstum mit allen Standorten und Produktionsschritten setzte. Diese Strategie stellte der CFO sukzessive einer Reihe von Interessenten und Banken aus dem In- und Ausland vor. Im Ergebnis kam es allerdings nicht zum Mittelzufluss.

Restrukturierungsplan mit Werksschließungen und Verkauf entwickelt

Schließlich gelang es dem Interim Manager, den Kurs zu wechseln. Es entstand der Plan, das Werk in Leipzig aufgrund der schlechten Auslastung zu schließen und die Fertigung in Menden zu verkaufen bzw. fremd zu vergeben. Die SAM-Gruppe sollte sich demnach auf Kundenkontakt, Design, Entwicklung, Montage und eine perfekte Oberfläche der Produkte fokussieren.

Zeitgleich wurde der Geschäftsführer der SAM-Gruppe vom in China weilenden Eigentümer abgelöst und der heutige Interim Manager als Prokurist und faktischer Geschäftsführer eingesetzt. In der neuen Funktion setzte er auf die Motivierung der Mitarbeiter und die zeitgleiche Restrukturierung. Während Ersteres schnell Erfolg brachte, scheiterte die schnelle Neuausrichtung. Der Verkauf der Galvanik in Menden wurde vom Eigentümer blockiert. Die Schließung des Werks in Leipzig wurde aufgrund fehlender Mittel für Abfindungen verschoben, obgleich ein Sozialplan mit dem Leipziger Betriebsrat abgestimmt war.

Erworbenes Unternehmen wird in wesentlichen Teilen veräußert

Ab dem späten Herbst 2017 überwachte der Finanzbereich die Zahlungsfähigkeit und die Verschuldung der Gesellschaft detailliert und lies dies durch auf Insolvenzen spezialisierte Wirtschaftsprüfer und Steuerberater begleiten. Somit kam der CFO im April 2018 zur Auffassung, dass SAM für eine Insolvenz antragspflichtig war. Nachdem er das offengelegt hatte, wurde er freigestellt.

Danach wurde das Navision-Projekt noch abgeschlossen, ansonsten aber wurde alle Aufbauarbeit eingestellt. Weitere Führungskräfte verließen die Gruppe, Werkzeuge wurden nach China entsendet.

In der folgenden Insolvenz wurde das Werk in Leipzig geschlossen, die Galvanik in Menden wurde an einen Interessenten verkauft, den der Interim Manager zuvor akquiriert hatte. Der Rest der Produktion wurde verwertet. Eine Hülle des Vertriebs wurde veräußert.

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    Claudia M. Christen, Senior Consultant. Swiss Interim GmbH

    Claudia M. Christen

    Senior Consultant

    Marlise Stauffer Geschäftsführerin Swiss Interim GmbH

    Marlise Stauffer

    Geschäftsführerin